Was Rückfederung ist
Beim Biegen entstehen plastische und elastische Verformung zugleich. Lässt der Druck nach, federt der elastische Anteil zurück — der Winkel öffnet sich leicht und der Radius wird größer. Wird zu wenig kompensiert, fällt der fertige Winkel zu groß aus.
Einflussgrößen auf die Rückfederung
- Werkstofffestigkeit: höhere Festigkeit (z. B. hochfester Stahl) federt stärker zurück
- Dicke und Biegeradius: ein größeres Verhältnis von Radius zu Dicke bedeutet mehr Rückfederung
- Matrizenöffnung (V): die Öffnungsweite verschiebt die Spannungsverteilung beim Umformen
- Chargenstreuung: gleiche Güte, andere Schmelze — die Eigenschaften wandern trotzdem
Übliche Kompensationsverfahren
- Überbiegen: einige Grad weiter biegen, um die Rückfederung auszugleichen
- Prägen / Kalibrieren: hoher Druck legt den Werkstoff an die Matrize an und verringert die Rückfederung
- Winkelmessung im Prozess: den realen Winkel während des Biegens messen und automatisch korrigieren
- Bombierung: Durchbiegung von Maschine und Werkzeug ausgleichen, damit lange Teile über die gesamte Länge gleich bleiben
Servoelektrisch versus hydraulisch
Servoelektrische Abkantpressen bieten eine hervorragende Wiederholgenauigkeit des Stößels; zusammen mit Winkelmessung und Parameterdatenbank wird die Rückfederungskompensation zu einem reproduzierbaren Prozess statt zum Gefühl des Bedieners — entscheidend bei kleinen Losgrößen mit hoher Variantenvielfalt und bei hochfesten Werkstoffen.
Die vollelektrische ED-Serie von Midnight verbindet Servoantrieb mit Echtzeit-Winkelrückmeldung und hält Biegewinkel in der Serie innerhalb von ±0,5°.
